Oslo Erasmus+ Erlebnisbericht


Zwischen Fjord, Freundschaft und freiem Denken

Vom 15. bis 20. April durften wir im Rahmen eines Erasmus+-Austauschs nach Oslo reisen. Wir sind der Leistungskurs PW_L2 von Frau Glass, die den Austausch auf deutscher Seite organisiert hat. Aufgrund der Abiturprüfungen konnte sie leider nicht selbst mitreisen, stattdessen wurden wir von Frau Tockhorn und Herrn Witt begleitet. Nach einem sehr frühen Flug und einer entsprechend langen Anreise wurden wir direkt am Foss videregående skole empfangen. Die norwegischen Schülerinnen und Lehrkräfte hatten alles vorbereitet. Hannah, die den Austausch auf norwegischer Seite organisiert hat, begrüßte uns gemeinsam mit Petter und Kristin. Es gab selbstgebackene Waffeln mit Himbeermarmelade und Braunkäse und anschließend eine Führung durch die Schule. Das Foss Gymnasium liegt in der Nähe des Akerselva-Flusses, wo sich kleine Wasserfälle durch die Stadt ziehen. Diese Nähe zur Natur fiel sofort auf. Am Abend lernten wir unsere Gastfamilien kennen und stellten schnell fest, dass Tacos in Norwegen einen festen Platz im Alltag haben. Am nächsten Tag konnten wir Unterricht miterleben. Besonders im Deutsch-Leistungskurs wurden wir direkt eingebunden. Neben Gesprächen über die DDR, bei denen wir auch eigene Perspektiven einbringen konnten, spielten wir gemeinsam Kahoot. Die Atmosphäre im Unterricht wirkte offen und entspannt. Schülerinnen duzen ihre Lehrkräfte, und trotzdem funktioniert der Umgang respektvoll und konzentriert.
Diese Offenheit zeigte sich auch außerhalb des Unterrichts. Bei einer Kajaktour mit Petter, der nicht nur Deutschlehrer, sondern auch Guide ist, wurde deutlich, wie selbstverständlich Lernen und gemeinsames Erleben hier ineinandergreifen. Gleichzeitig wurde klar, wie schnell man von der Stadt aus in die Natur gelangt. Das Wetter war deutlich besser als erwartet, fast schon sommerlich.
Am Nachmittag trafen wir uns im Garten von Hannah. In der warmen Nachmittagssonne wurde auf dem Rasen Kubb gespielt, daneben Fußball. Im Hintergrund war das leise Plätschern des Wasserfalls zu hören. Es hatte etwas sehr Ruhiges und gleichzeitig ziemlich Idyllisches, fast schon Bullerbü.
Später trafen wir uns bei Viktor, der auf einer Insel lebt und jeden Tag mit der Fähre zur Schule fährt. Solche Details machten immer wieder deutlich, wie anders Alltag hier organisiert sein kann. Auch die Stadt selbst hinterließ Eindruck. Das Oslo Opera House wirkt weniger wie ein klassisches Gebäude als wie eine begehbare Fläche aus weißem Marmor, die sich zum Wasser hin öffnet. Man kann bis aufs Dach laufen und hat von dort einen weiten Blick über den Fjord.
Die Deichman Bjørvika, die neue Stadtbibliothek, ist ebenso offen gestaltet. Große Glasflächen, mehrere Ebenen und fließende Übergänge zwischen Arbeits- und Aufenthaltsbereichen machen sie zu einem Ort, an dem man sich gerne aufhält und der Lernen in den Alltag integriert. Ein zentraler Beobachtungsschwerpunkt war Nachhaltigkeit und Inklusion. Oslo wirkt in vieler Hinsicht durchdacht. Der öffentliche Nahverkehr funktioniert zuverlässig, viele Menschen sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, und Bewegung gehört sichtbar zum Alltag. Gleichzeitig
sind viele öffentliche Räume barrierearm gestaltet und so angelegt, dass sie möglichst vielen Menschen zugänglich sind. Inklusion scheint hier weniger ein Projekt zu sein als eine Selbstverständlichkeit im Alltag. Ein besonderes Erlebnis war der Besuch im SALT. Dort konnten wir einen Einblick in norwegische Saunakultur gewinnen. Nach den Saunagängen ging es in eiskalte Wasserfässer, was definitiv Überwindung kostete, aber auch Teil der Erfahrung war. Die Aufgussrituale hatten eine fast meditative Wirkung, gleichzeitig ist das Salt auch ein Kulturort, an dem verschiedene Veranstaltungen stattfinden. Zum Abschluss besuchten wir das National Museum of Norway, wo wir unter anderem „Skrik“ von Edvard Munch sehen konnten. Die letzte Nacht verbrachten wir gemeinsam im Flughafen-Hostel, bevor es am nächsten Morgen sehr früh zurückging. Insgesamt bleibt der Eindruck einer Stadt und eines Schulsystems, die durch Offenheit, Gelassenheit und eine enge Verbindung zur Natur geprägt sind. Vieles wirkt gut organisiert, ohne dabei streng zu wirken. Es ist eine Art von Alltag, die inspiriert und neugierig macht. Und es fühlt
sich nicht so an, als wäre das der letzte Besuch gewesen.