von Tanja Ziegler und Valeria Frühling

Im Zeitraum vom 15.08- 19.08.2013 nahmen wir an einer Studienfahrt nach Krakau teil.

Schon seit mehreren Jahren bietet das Max-Delbrück Gymnasium den Schülern an, die polnische und historisch sehr interessante Stadt Krakau zu besichtigen.

Krakau bietet für internationale Besucher die Möglichkeit sich näher mit dem Thema Nationalsozialismus auseinanderzusetzen und sich in die Zeit zurückzuversetzen.

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Am Tag der Abfahrt fuhren wir um 8 Uhr los, insgesamt waren wir eine Gruppe von 32 Teilnehmern, die aus der Q1, Q3 und Schülern eines Sportgymnasiums bestand. Als wir nach der 9-Stunden-Fahrt endlich in unserem gemütlichen Hotel „Batory“ in Krakau ankamen, haben wir uns zu allererst kurz ausgeruht und uns anschließend den nahegelegenen Marktplatz mit unseren begleitenden Lehrern Frau Graf und Herrn Töpfer angeschaut. Zum Ende des ersten Tages zeigten uns die Lehrer eine besondere Tradition, die in Form einer Trompetenshow in einem Türmchen der Marienkirche mehrmals am Tag zur gleichen Zeit stattfindet.

An dem darauffolgenden Tag starteten wir in der Frühe eine zweistündige Busfahrt nach Auschwitz.

Aufgeteilt in zwei Gruppen haben wir uns das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz und anschließend Auschwitz Birkenau unter Leitung einer Museumsführerin angeschaut.

Unsere Museumsführerin zeigte uns mehrere Steinbaracken, welche in Art kleinerer Museen umfunktioniert wurden und unterschiedliche Themengebiete behandeln.

Besonders schockierend fanden wir die Ansammlung privater Wertgegenstände der nach Auschwitz Deportierten. Vor allem die abgeschorenen Haare der Gefangenen symbolisierten die grausame Folter. Neben den zahlreichen persönlichen Gegenständen, welche in riesigen Vitrinen zur Schau gestellt wurden, wurden auch tausende Schicksale der Inhaftierten dokumentiert. Schicksale von Juden, Polen, Kriegsgefangenen, Alten, Jungen, Frauen, Kranken, Homosexuellen und Gegnern des Nationalsozialismus.

Überraschend auffällig war die große Anzahl von muslimischen Schülern, welche alle einheitlich ein weißes T-Shirt mit der israelischen Flagge darauf trugen. Hinter der großen Ansammlung der israelischen Schüler steht, dass jeder der Schüler einmal im Leben nach Auschwitz pilgert und seines dort verlorenen Vorfahren gedenkt.

Um von Auschwitz nach Birkenau zu gelangen, mussten wir noch eine kurze Busfahrt auf uns nehmen.

Während in Ausschwitz mehr Wert auf das Gedenken der Gefallenen gelegt wurde, konnte man in Birkenau Zeuge der menschenunwürdigen Lebensverhältnisse werden. Die pferdestallähnlichen Holzbaracken, welche mit lediglich notdürftig errichteten Betten und Klos ausgestattet wurden, schafften einen unverwechselbaren Eindruck. Trotz der mittlerweile vielen Vegetation, die damals natürlich nicht vorhanden war, entstand sehr schnell ein sehr bedrückendes Gefühl. Spätestens hier wurde uns klar, dass es ein großer Unterschied ist von der Grausamkeit, die vor gar nicht allzu langer Zeit hier Alltag war, zu lesen oder wirklich Zeuge dessen zu werden. Die große Rampe, auf der Deportierten eingeliefert wurden, zog sich streng durch das ganze Lager und endete in den Ruinen der ehemaligen Gaskammern, die von den Nazis damals eigenhändig gesprengt wurden, um die Beweise zu vernichten. Selbst wenn nur noch Schutt und einige wenige Überbleibsel der Todeszellen vorhanden waren schunden sie bei jedem von uns großen Eindruck. Räumlichkeiten, die so vielen unschuldigen Menschen den Tod gebracht hatten. Um diesen zu gedenken wurde auch in Birkenau ein großes Mahnmal erbaut. Als kleine Überraschung ermöglichten uns die Lehrer auf der Heimfahrt noch einen der berühmten Grabhügel, auf dem den Überlieferungen zufolge der Stadtgründer Krak und seine Tochter Wande beigesetzt wurden, zu besteigen. Von dort aus hatte man einen spektakulären Blick über die ganze Stadt. Der Tag war wohl einer der anstrengendsten der Fahrt, aber lehrte uns auch eine Menge. Abschließend wurde uns der restliche Abend Freizeit gestattet, um die Emotionen und Eindrücke zu verarbeiten und sich auf den nächsten Tag vorzubereiten.

Die Planungen des nächsten Tages führten uns nicht ganz so weit weg aus Krakau, denn wir besichtigten ein ehemaliges Konzentrationslager im Ortsteil Plaszów. Aus dem ehemaligen Zwangsarbeitslager wurde nach wenigen Jahren unter der Führung des sadistischen SS-Führers Amon Göth ein Konzentrationslager, in dem Hunderte von Menschen allein durch die Hand des Lagerführers ermordet wurden. Heutzutage ist davon allerdings kaum noch etwas vorhanden, denn 1944 wurde das Lager aufgelöst und durch die Jahrzehnte verschlang die Vegetation alles noch vorhandene. Am Ende des Pfades, der uns durch Wald und Wiese trieb, prangte auch ein riesiges steinernes Mahnmal, was neben den vielen kleinen Gedenksteinen als einziges noch an die Geschehnisse erinnerte.
Danach fuhren wir mit dem Bus in die ehemalige Fabrik Schindlers, die zu einem multifunktionellen Museum umgebaut wurde. Auch hier wurden wir wieder in zwei Gruppen geteilt – die, die auch während der Führung in Auschwitz zustande gekommen waren – und wurden mit einer Führerin durch die vielen Räumlichkeiten geführt. Sie berichtete eine Menge von der polnischen Geschichte und der späteren Belagerung durch die Deutschen. Es war sehr erschreckend zu erfahren, wie all das Drama wirklich zustande gekommen war. Es gab sehr viel Anschauungsmaterial, seien es die Straßenschilder des Ghettos oder Schriften der Nazis, die unter die Bevölkerung gebracht wurden. Wir besichtigten unter anderem auch das Originalarbeitszimmer Schindlers und konnten uns dort einen Eindruck von der Masse an Menschen, denen er geholfen hatte, machen, da auch dort eine Art Gedenkstätte von Form einer Glasvitrine, gefüllt mit verschiedensten Gegenständen und einer Liste aller Namen, vorhanden war. Die Führung innerhalb der Museumsräume dauerte etwa zwei Stunden. Nachdem auch die zweite Gruppe diese beendet hatte wurden wir aus dem Museum heraus auf einen Platz gelotst, der über und über mit metallischen Stühlen war. Dies war das Zentrum des Judenviertels, Kazimierz. Wie ließen den Platz einige Minuten auf uns wirken, ehe wir den Heimweg antraten.

An unserem letzten Aufenthaltstag in Krakau nahmen wir uns eine mehrstündige, sehr interessante Stadtführung vor. Zu Beginn trafen wir uns alle vor der Marienkirche und schauten sie uns von innen an. Über den ganzen Tag verteilt besichtigten wir mehrere Synagogen, Kirchen als auch einen jüdischen Friedhof. Dort konnte jeder einen Wunsch auf einen Zettel schreiben und dieser sollte auch, wie es unsere Stadtführer erklärte, in Erfüllung gehen. Um in die Synagogen hineinzukommen mussten wir uns an eine spezielle Kleiderordnung halten, diese bestand darin, dass die Mädchen ihre Schultern und Knie bedeckt halten mussten und Jungs mussten eine Kippa tragen. Äußerst interessant war auch der Trip zur ersten Universität Krakaus, wo auch Kopernikus studierte. Dort lauschten wir auch einem Trompetenmusikstück.

Den Tag ließ ich mit meinen Freunden in einem netten Restaurant in der Altstadt Krakaus ausklingen.

Alles in allem war die Studienfahrt nach Krakau sehr bereichernd für mich, da man viel neues erfahren hat und sich ausführlich mit dem Leid der nach Ausschwitz Deportierten auseinandergesetzt hat. Ich denke, dass eine Besichtigung von Ausschwitz viel mehr lehren kann als jeder Bericht oder Film. Dort gewesen zu sein hat einem viel deutlicher werden lassen, wie schlimm die Umstände wirklich waren. Ohne dort einmal gewesen zu sein, denke ich, kann man sich nicht ansatzweise vorstellen wie schlimm es wirklich war.

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