Das Licht geht aus, die Musik an, und auf einmal ist man mittendrin. Man schwitzt, man zittert, und dann kommt schon der Applaus.

Wie viel Arbeit in dieser knappen Stunde  "Familie Schroffenstein" steckt, wissen die Zuschauer wahrscheinlich nicht, das wissen nur wir - und wir sind trotzdem glücklich.

Anderthalb Jahre haben wir auf diesen Moment hingearbeitet, diesen Moment, der einem Kraft gibt und Zuversicht, diesen Moment voll Stolz, Genugtuung - oder ist es eine Mischung aus beidem?

Manchmal dachten wir, es wird die Inszenierung des Jahres, manchmal wollten wir alles hinschmeißen. DS ist kein Fach, das man in der Schule lässt.

Wenn es klingelt, die Bücher zugeklappt werden, und man heute schon wieder nicht die richtige Reaktionsenthalpie berechnet hat, kann man trotzdem ruhig schlafen. DS ist anders. DS bereitet Kopf- und Magenschmerzen, aber auch das angenehme Kribbeln, das einen auf dem Fahrrad singen lässt.

Es ist nicht immer leicht, am Ball zu bleiben. Es ist nicht leicht, wenn Schauspieler ausfallen und man keinen Ersatz hat, wenn Requisiten oder Kostüm vergessen werden. Es ist nicht leicht, wenn der Druck steigt und die Motivation sinkt.

Wir hatten während unserer Arbeit an "Familie Schroffenstein"  so einige Probleme. 14 Mitstreiter, zusammengewürfelt aus drei unterschiedlichen Vorkursen zweier unterschiedlicher Schulen, mit unterschiedlichen Vorkenntnissen, unterschiedlichen Beweggründen, DS zu wählen. Und trotzdem kann man es zusammen schaffen. In DS geht es um Teamfähigkeit. Ohne einander zu vertrauen, auf einander einzugehen, kann mein kein Stück auf die Bühne bringen. Wie entscheidet man sich, wenn es darum geht, jemanden Unzuverlässigen von der Produktion auszuschließen? Man entscheidet sich dagegen, redet, zieht ihn mit - als Gruppe.

Es ist in gewisser Weise ein intimes Fach. Sogar der Selbstbewussteste kann auf der Bühne in Situationen kommen, die ihm unangenehm sind, peinlich. Dann fängt es an - das Straucheln, das Zittern. Dieses Gefühl abzustellen, ist nicht das Ziel, es geht darum, mit ihm zu arbeiten.

Deswegen schreit man und tanzt und lacht. Auf der Bühne, auf Bestellung. Man weint, man hüpft, man ist ernst. Man kommt an Grenzen, man überschreitet sie, man geht wieder zurück. Und plötzlich kann der Klassenclown in vollem Ernst sterben, der Lustlose auf der Bühne überzeugen, die Nicht-Verliebten einander küssen. In DS lernt man neue Seiten an sich selbst und an den anderen kennen.

So viel ist sicher.

Man muss auch mal ein Opfer bringen. Den Sonntagnachmittagskaffe bei OMA sausen lassen. Den Lieblingspullover verborgen. Man übernimmt Verantwortung.

In DS fliegt einem nichts zu und vielleicht geht so manch einer nicht mehr gestärkt aus diesem Kurs als aus jedem anderen auch. Aber für jeden von uns bleibt doch dieser eine Moment, dieser Moment mit dem angenehmen Kribbeln: Die Musik geht aus, das Licht an, und auf einmal ist man mittendrin - im Applaus.

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