von Nguyên Hoa Hông-Anh

Im Rahmen des Religionsunterrichts in der Jahrgangsstufe zehn und dem PW- Leistungskurs fand im Zeitraum vom 16.08.12 bis zum 20.08.12 eine Studienfahrt nach Krakau statt.

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Krakau ist sowohl einer der bedeutendsten Städte Polens als auch ausschlaggebend für die deutsche Geschichte im Zweiten Weltkrieg. Schließlich befinden sich dort in Auschwitz/ Birkenau die größten Vernichtungslager für die europäischen Juden zur Zeit des NS- Regimes.

Am Morgen des 16.08.12 versammelten sich alle 18 Fahrtteilnehmer vor dem Max -Delbrück und wir holten mit dem Bus noch eine andere Schulgruppe aus Hohenschönhausen ab. Die uns begleitenden Lehrer unserer Schule waren Frau Graf, Geschichtslehrerin, und Religions- und Seminarkurslehrer Herr Töpfer. Es vergingen ungefähr neun Stunden Fahrt, wobei zwei Pausen enthalten waren, bis wir in Krakau ankamen. Zunächst checkten wir im Hotel „Batory“ ein und jedem wurde sein Zimmer zugewiesen. Gegen Abend trafen wir uns auf dem zentral gelegenen Marktplatz Krakaus, welcher zugleich Mittelpunkt dieser Stadt darstellt. Nachdem alle ihr Geld in die polnische Währung Zloty umgetauscht hatten, bekamen wir die Möglichkeit die Altstadt auf eigene Faust zu besichtigen. Meine Freunde und ich besuchten mit den Lehrern ein besonderes Restaurant mit polnischen Spezialitäten.

An dem darauf folgenden Tag stand die Besichtigung der Konzentrationslager in Ausschwitz und Birkenau an. Nach dem Frühstück fuhren wir zwei Stunden mit dem Bus ehe wir dort ankamen und für die Führung in zwei Gruppen geteilt wurden. Diese fing im Stammlager Auschwitz I an, wo wir den bekannten Eingang mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“ durchschritten. Entsetzlich, wenn man bedenkt, dass ein Offizier zu den Juden gemeint haben soll, dass ihr einziger Ausgang dieses Konzentrationslagers durch den Schornstein in Form von Asche sei. Unsere Leiterin zeigte uns die verschieden Steinbaracken Auschwitz´, die heute die grausamen Taten der Nazis in Form von kleinen Museen ausstellen. In den zahlreichen Räumen war Unfassbares zu sehen; Bilder vom Leid misshandelter Juden, Dokumente, die eine Art Lizenz zum Töten dieser „minderwertigen Rasse“ darstellten oder Vitrinen mit deren ganzen Hab und Gut. Was mir wahrscheinlich am ehesten im Kopf hängen blieb, ist die unglaubliche Masse an langen, ausgeblichenen Haaren hinter Glas. Diese stellten nur einen Teil von dem dar, dessen die Gefangenen, speziell Juden, beraubt wurden. Verwendung fanden jene dann beispielsweise in der Teppichherstellung.

Man versuchte nämlich auch nach dem Tod all Mögliches an Profit herauszuschlagen, was die Juden einem boten. So wurde ihnen nicht nur das Haar geschoren oder ihre Wertsachen beschlagnahmt, man brach ihnen darüber hinaus sogar verbliebene Goldzähne heraus. In einem Gang waren die Wände von Bildern polnischer Kriegsgefangenen und deportierter Juden behangen, es schien als würde jener gar kein Ende nehmen. Auch die Gaskammer mit riesigem Schornstein im hintersten Bereich war Teil der Führung, ein sehr emotionaler Moment für die meisten. Um in das andere Lager, nach Auschwitz II Birkenau zu gelangen, musste man ein Stückchen weiter fahren. Dort gab es nun weniger ausgestellte Sachen, Bilder oder Modelle, nein, diese pferdestallähnlichen Holzbaracken waren stattdessen den Lebensverhältnissen der Gefangenen nachempfunden. Umso schlimmer, wenn ich mich daran erinnere, wie sie ausgestattet waren, insofern man überhaupt von einer Ausstattung sprechen kann. Als Betten dienten irgendwelche Lattengerüste, in denen sich unvorstellbar Viele hineinquälten. Toiletten bestanden aus Steinblöcken mit zahlreichen Löchern darin gebohrt. Bei der Nahrung galt es: „Zu viel um zu sterben, aber zu wenig um zu leben“. Das ganze Lager ist von der berüchtigten Rampe durchzogen, durch welche die Juden haufenweise dorthin oder direkt in die Gaskammern gelangten. Heute befinden sich am Ende von ihr zahlreiche Gestecke, Blumen, Kerzen und Steine in Erinnerung an die getöteten Juden. Ich kann mich noch entsinnen, wie wir uns alle über die Flaggen schwingenden Menschengruppen in weißer Kleidung wunderten, bis uns Herr Töpfer erklärte, dass jeder israelische Schüler einmal in seinem Leben diese Fahrt nach Auschwitz unternimmt, da mit Sicherheit auch einer ihrer Verwandten auf diesem Friedhof liegt. Ihre Fahne tragen sie vor allem deshalb stolz beim Betreten des Ausganges, um zu zeigen, dass sie heute die Möglichkeit haben lebendig aus diesem KZ rauszukommen, eine Möglichkeit die Millionen von Juden damals verwehrt blieb. Aus meiner Sicht hatte dieser Besuch viele Eindrücke -vor allem erschreckende und betrübliche- hinterlassen sowie auch zum Denken angeregt.

Der nächste Tag begann mit der Besichtigung eines weiteren Konzentrationslagers, nämlich dem südöstlich von Krakau gelegenen, namens Plaszów. Diese unternahmen wir alleine als Gruppe und fuhren dafür in ein abgelegenes Waldstück, wo heutzutage niemand ein ehemaliges KZ erahnen würde, da so gut wie nichts mehr davon übrig ist. Wir besichtigten leer stehende Häuser, die einst von bekannten Lagerkommandanten bewohnt wurden. Auf dem höchsten Punkt des Waldes steht heute ein Mahnmal aus Stein als Gedenkstätte für die zahlreichen Opfers des Faschismus. Später besuchten wir noch Schindlers Fabrik, die sehr an den Film „Schindlers Liste“ angelehnt war.

In dieser Führung informierte man uns mehr über die polnische Geschichte im Zweiten Weltkrieg, was meines Erachtens sehr spannend war, das Ganze auch mal aus anderer Sicht betrachtet zu haben. Das Museum war teilweise ziemlich modern ausgestattet und man selbst konnte sich gut mit der Thematik beschäftigen. Am Ende des Tages fanden wir uns auf einem Platz wieder, welcher ehemaliges Gebiet des Judenghettos war. Heute stehen als eine Art Denkmal viele aus Eisen gefertigte Stühle dort. Der Grund dafür ist, dass man zu jener Zeit die Juden aus ihren Häusern bereits vertrieb und ihr ganzes Mobiliar auf die Straßen beförderte. Wir sollten kurz inne halten und einen Moment auf diesen Stühlen Platz nehmen.

Krakaus schönste und bekannteste Plätze lernten wir am vierten Tag unserer Reise bei einer Stadtrundführung kennen. Dazu versammelten wir uns nachmittags auf dem Marktplatz an der Marienkirche und trafen dort auf unseren Begleiter. An diesem Tag betraten wir etliche Kirchen, Synagogen als auch einen jüdischen Friedhof im Stadtteil Kasimir, wo wir die Möglichkeit hatten, einem Rabbiner unsere Wünsche auf einem Zettel zu schreiben. Denn laut unserem Stadtführer gehen sie demnach in Erfüllung. Dafür mussten wir uns natürlich auch an die besondere Kleiderordnung halten, die beinhaltete, dass die Mädchen weder Schultern noch Knie zeigen durften und Jungs eine Kippa aufsetzen mussten. Darüber hinaus kamen wir am Bischofspalast mit dem berühmten Papstfenster vorbei. Desweiteren besichtigten wir noch die erste Universität Krakaus, an der auch schon Kopernikus studierte. Zudem wurden wir durch das lebhafte, kleine Künstlerviertel Krakaus geführt. Auf der Wawel, eine Burganlage und zugleich ehemalige Residenz polnischer Könige, waren wir ebenfalls, von der man eine wirklich schöne Sicht auf die Stadt hatte. Zuletzt betraten wir noch den unterirdischen Marktplatz von Krakau, welcher eine spannende Atmosphäre bot. Dort wurde vor allem Krakaus Geschichte vom Mittelalter beginnend thematisiert. Erstaunlich war die moderne Technik, mit der man uns die ganze Angelegenheit auf eine spannende Weise näherbrachte. Zum Schluss hatten wir erneut die Möglichkeit Krakaus Altstadt zu besichtigen. Und da genau in dem Zeitraum, in dem wir da waren das „Pierogi- Fest“ stattfand -„Pierogi“ gehören zu den Nationalgerichten Polens-, war auf dem Marktplatz abends immer viel los. Eine Bühne und vielerlei Essenstände waren aufgebaut. Da es für uns der letzte Abend in Polen sein würde, unternahmen wir zu acht eine beeindruckende Kutschfahrt durch Krakaus Straßen. Für mich war das ein wirklich gelungener Abschluss.

Am letzten Tag unserer Studienfahrt den 20.08.12 mussten wir am Morgen nach dem Frühstück unsere Koffer packen und anschließend die Zimmer übergeben. Zuvor hatten wir noch die Möglichkeit Proviant auf dem Markt oder in Läden zu besorgen. Dann traten wir die neunstündige Rückreise an. Eine der drei Pausen nutzten wir, um noch die Friedenskirche, ehemaliger evangelischer Friedhof zu besichtigen. Ich kann mich noch entsinnen, dass diese im Vergleich zu den zahlreichen Anderen, die ich bereits kennenlernte, ziemlich schlicht ausfiel. Wir hörten uns eine Art Vortrag über die Geschichte dieser Kirche an und konnten sie uns dann noch näher anschauen. In Berlin kamen wir gegen 20 Uhr an unserer Schule, womit unsere Reise ein Ende nahm.

Alles in allem war die Studienfahrt nach Krakau in meinen Augen eine Bereicherung in vielerlei Hinsicht. Sie hat mich nicht nur weitergebildet in punkto polnischer sowie deutscher Geschichte im Zweiten Weltkrieg, sondern hat uns auf einer emotionalen Ebene näherbringen können, was und vor allem wie es damals wirklich vorgefallen war. Ich denke, dass man ein solches Erlebnis mit keinerlei Berichten aus Geschichtsbüchern vergleichen kann. Denn wenn man nicht selbst in Auschwitz war, ist man nicht wirklich im Stande zu begreifen, auf welch menschenunwürdige Art man Juden und andere verhassten Gruppen zu behandeln pflegte. Die Stadt an sich ist wirklich sehr vielseitig und in jeder Hinsicht interessant. Sie bietet eine Reihe von sehenswerten Plätzen, Bauten als auch eine wunderschöne Altstadt. Vor allem ist diese am Abend mit ihren ganzen Lichtern eines der Dinge, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

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